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Sex und spirituelle Transformation

Ein Review über "Sex und spirituelle Transformation" von John G. Bennett. Autor: Ben Albrecht 
(22. Oktober 2018)

„Die wirkliche Freude am Sex liegt weder in der gedanklichen Stimulation noch in der emotionalen Erregung, sondern in verbesserter Klarheit, Kraft und Stärkung der Erfahrung auf allen Ebenen.“ (S.32)

Sex ist Vereinigung. Der ganze spirituelle Weg handelt von Vereinigung. Was liegt also näher, als die Rolle der sexuellen Kraft auf dem spirituellen Weg genauer anzuschauen. Bennett tut dies im vorliegenden Buch, das sich aus verschiedenen Vorträgen zusammensetzt. Um es vorweg zu sagen: das Buch erschließt sich mir auch nach dreimaligen Lesen nur Stück für Stück. Fast jeder Satz transportiert jedoch eine Geschmack von essenzieller Weisheit, in den Zeilen liegen wesentliche Schlüssel zum Verständnis des Lebens verborgen. Als Beispiel können folgende Sätze dienen:
„Sex geschieht mit unserer Teilnahme und doch so, als ob er außerhalb von uns geschieht – darin zeigt sich die Wirkung der kreativen Energie.“ (S. 32)

„Tatsächlich kann das Ego im Menschen nie beherrschend werden, wenn es sich nicht mit der sexuellen Energie verbindet.“ (S.40)
„Die Existenz zu betreten, heißt, Vermittler eines Zwecks zu werden, was in einer rein geistigen Welt keine Bedeutung hätte.“ (S.53)
Als junger Mann bin ich Teil einer Gesellschaft, die den Großteil ihres Nervenkitzels aus dem Ausleben der eigenen Sexualität zieht – doch was genau ist denn Sex eigentlich?, frage ich mich. Im üblichen Denken beschreibt dieser Begriff nichts mehr als das Aufeinandertreffen zweier (oder auch mehrerer) Körper, ja oder noch einfacher, zweier Körperteile. Dabei scheint es einen Akt hinter diesem Akt zu geben.
Im Vorwort heißt es: „In allen Traditionen wurde Sex als das konkreteste Symbol der Kreativität verstanden. Auch wenn es zu keiner Empfängnis kommt, ist dieselbe Energie beteiligt.“

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Kreativität ist für mich eine Sache, von der ich noch weniger weiß, was es eigentlich ist. Ersetze ich das Wort Kreativität mit Schöpfung, dann wird die Sache etwas leichter. Es wird etwas geschöpft, das vorher nicht da war – durch das Zusammentreffen von individuellen Kräften. Was daran wirklich fasziniert, ist, dass dieser Vorgang in der Natur gar nicht immer so war.
Vor Milliarden von Jahren gab es erst Zellen, die sich asexuell aus sich selbst heraus immer weiter vermehren konnten. Bennett meint, dass dies zu einer immer weiteren Verengung von Möglichkeiten der Evolution geführt hätte und deswegen ein neuer Weg für die Erhaltung und Weiterentwicklung des Lebens gefunden werden musste. Damit entstanden die ersten Zellen mit der Fähigkeit zur sexuellen Reproduktion. Die Verschmelzung zweier unterschiedlicher Beiträge wurde notwendig, um ein Ganzes zu erhalten. Das Leben teilte sich, und eine neue Kraft kam auf die Erde.

Dieser Vorgang brachte nicht nur Unruhe und Risiko in die Welt, sondern noch etwas anderes: Tod.
Die Teilung in zwei Naturen, die vor vielleicht fünfhundert Millionen Jahren stattfand, vollendete sich in der inneren Spaltung des Menschen...was zu der Unzufriedenheit und der Suche führt, die seine Transformation überhaupt erst möglich machen. (S.24)
In Angesicht des Todes werde ich mir meiner Vergänglichkeit bewusst und suche nach Unvergänglichkeit. Ist dies der Egoismus des spirituell Suchenden, frage ich mich? OM C. Parkin sagte ja, dass jedes Ich nach Unsterblichkeit sucht - nur eben meist an der falschen Stelle, auf der falschen Ebene.
Kann nun also die körperliche Vereinigung der spirituellen Vereinigung dienlich sein? Bei der Beantwortung dieser Frage bleibt Bennett, ganz im Stile von Gurdjieffs Schule relativ nüchtern.

Bennett erklärt, dass es nicht die sexuelle Abstinenz allein ist, die zu mystischen Erlebnissen führen kann, sondern eher die Konzentration der freien sensitiven Energie, die gewöhnlich zerstreut wird. Dies kann allerdings ebenso gut durch Fasten oder Schlafentzug erreicht werden. Und schließlich erreichten Menschen mystische Zustände sowohl durch Abstinenz, als auch durch die Kultivierung von Sex. Er empfiehlt ein normales sexuelles Leben.

Im weiteren Verlauf des Buches geht um Themen wie Sex und Egoismus, Elternschaft, Ehe und auch Gesellschaft; die soviel neue Sichtweisen liefern, dass man das Buch am besten wohl dosiert liest.
Hat mir das Buch eine Antwort gegeben, was Sex ist? Auch wenn ich diese Frage noch nicht mit ja beantworten kann, so heißt es nicht, dass diese Antwort nicht doch im Buch ist. Ich werde weiter forschen und dem Leser kann ich dies ebenfalls nur empfehlen.
Wer nach konkreten Sextechniken sucht, sollte jedenfalls besser zu einem Buch von Mantak Chia greifen.

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Zum Schluss möchte ich gern noch einmal Bennett zitieren, was er über das Thema Sex und Liebe schreibt:

„Sex ist wie zwei Pole eines Magnets: je näher sie sich kommen, desto stärker ist die Macht der Anziehung; aber wenn sie sich berühren, verschwindet die Kraft.
Mit der Energie der Liebe ist es genau umgekehrt. Die Kraft der Liebe nimmt mit der Vereinigung zu, und durch diese Vereinigung kann es Liebe geben.“ (S. 26)

22.Oktober 2018 Ben Albrecht

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