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Der Mensch ist eine Maschine!

Ein Review über "Der vierte Weg" von P. D. Ouspensky. Autor: Ben Albrecht

,Der Mensch ist eine Maschine! Er ist mechanisch im Handeln, Denken und sogar im Fühlen. Wir sind komplett unfrei und wissen es noch nicht einmal!‘
Solche und ähnliche Gedanken schwirren mir nach den ersten Seiten dieses Buches durch meinen Kopf. Und nein, es wird nach den nächsten Seiten nicht unbedingt besser. Da lese ich davon, dass wir aus vielen verschiedenen Ich‘s bestehen, die sich noch nicht einmal kennen; dass wir schlafen; dass wir keinen wirklichen Willen haben können; dass beinahe alles, was wir über uns zu glauben wissen, eingebildet ist; dass wir eigentlich überhaupt nichts tun können – und unsere einzige Freiheit darin liegt, das anzuerkennen.
Warum tue ich mir solche und ähnliche Sätze also über 500 Seiten lang an? Nun, weil Herr Ouspensky, der vielleicht bedeutendste Schüler Gurdjieff‘s, leider im Recht ist. Und wenn ich mich aufrichtig betrachte, sehe ich mehr und mehr meine eigene Mechanisiertheit. Ich sehe sich wiederholende Gedankenschleifen; Phrasen beim Sprechen ( ,Meinungen wie vom Fließband‘, wie Ouspensky es ausdrückt), sehe verschiedene Anteile meiner Selbst, die sich noch gar nicht kannten. Zunehmend bekomme ich ein Gefühl, wie tief ich selbst im Wachzustand schlafe. Dies zeigt sich besonders schmerzhaft, wenn ich versuche mich über längere Zeit zu beobachten und dabei immer wieder abdrifte.
Doch es ist gut die bittere Wahrheit von Ouspensky zu hören und schrittweise zu fühlen, denn wir können uns – so Ouspensky – eben nur von da aus entwickeln, wo wir eben stehen. In diesem Satz steckt für mich die ganze Kraft dieses Buches. Es hilft zu sehen und anzuerkennen, wo wir wirklich stehen. Es zeigt konkret auf, wo wir den Großteil unserer wertvollen Lebensenergie vergeuden und was wir an bewussten Anstrengungen unternehmen können, um dem entgegen zu wirken – vor allem durch Selbst-Beobachtung und Selbst-Erinnern. Diese Punkte werden immer wieder im Verlaufe des Buches wiederholt und setzen schon damit einen Erinnerungseffekt.
Was dieses Buch für mich ungewöhnlich macht, ist, dass es keine religiösen Dogmen verkündet, ja noch nicht mal irgendwelche besonderen Weltanschauungen voraussetzt, denn die Aussagen über unsere Ausgangssituation sind für jedermann nachvollziehbar, sofern er sich einlassen möchte. Auf erfrischende Art geht es somit um das Wesentliche des Menschseins. Der vierte Weg verbindet Wissen und Sein – was zusammen zu Verständnis führt. Das große Ziel liegt dabei in der Seinsänderung, worauf auch ganz praktisch eingegangen wird.
Dieses Buch ist daher, und das wird auch aus Ouspensky‘s Ausführungen klar, sicher nicht als theoretisches Werk zu lesen, sondern lebt von der Umsetzung der Inhalte. Der höchste Nutzen ist sicher erst durch die Hilfe und Überprüfung eines Lehrers möglich, weshalb es Menschen auf dem Weg sehr dienlich sein kann. Besonders hilfreich sind deshalb auch die im Buch enthaltenen Dialoge zwischen Ouspensky und seinen Schülern, die relevante Fragen dieses Weges aufwerfen.

Zusammenfassend kann ich sagen: die Lektüre ernüchtert, ohne zu entmutigen. Der vierte Weg verspricht nichts, zeigt aber Möglichkeiten der Entwicklung auf – und dies ist für mich mehr als nur ein Licht am Horizont – es ist die Botschaft, dass wir wahrhaft Mensch sein können, anstatt das Dasein einer Maschine zu fristen.

 

04.09.2018 Ben Albrecht

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